Immer der Gute – Ethik & Moral in Videospielen

Paragon/Renegade

Vor einigen Tagen wurde mir wieder einmal bewusst, dass mein ethisch/moralisches Empfinden auch vor Videospielen nicht Halt macht. Gibt ein Spiel mir die Möglichkeit mich selbst zu entscheiden, ob ich gut oder böse sein möchte, so wähle ich meist den guten Pfad.

Vor allem in Rollenspielen, wie Mass Effect oder Fallout, kann ich mich nie dazu hinreißen lassen zum rücksichtslosen Mörder zu werden. Bei comichaften over-the-top Games wie Saint’s Row 2 habe ich weniger ein Problem damit. Da wird die Sau rausgelassen und frivol über den Bürgersteig gemäht. Wenn aber ein gewisser Realimus oder Geschichten und richtige Charaktere hinter der digitalen Fassade stecken, kommen plötzlich die Skrupel. Beim zweiten Durchspielen wähle ich ab und an die dunkle Seite oder ich lade den Spielstand vor der letzten Entscheidung, um mir den Ausgang der bösen Option anzuschauen, aber sonst hat die gute Seite immer den Vortritt.

Teilweise gehe ich sogar soweit, das Spiel minutenlang zu pausieren, wenn ich mich entscheiden muss und ab und an wird Google konsultiert um herauszufinden welcher Ausgang für meinen “Goody Two-Shoes” Charakter denn wohl der Beste wäre.

Die Argumente einen bösen Charakter zu spielen kann ich natürlich genauso nachvollziehen, egal ob “Ist doch nur ein Spiel.” oder “Da kann man doch mal seine dunkle Seite ausleben.”. Bei simpler gestrickten Spielen wie Saint’s Row nutze ich diese Argumente sogar selber.

Da viele Games inzwischen diese Auswahlmöglichkeiten bieten, bin ich immer davon ausgegangen, dass beide Seiten ihre Vertreter haben. In letzter Zeit frage ich mich aber, ob ich mit meiner Herangehensweise an Videospiele doch eher die Ausnahme bin. Heute bin ich auf diesen Artikel aufmerksam geworden: “Battlefield 3 – Kein Töten von Zivilisten”.

Die Aussagen, die Executive Producer Patrick Bach gegenüber Rock, Paper, Shotgun tätigt, empfinde ich bedenklich und fast schon beleidigend:

“If you put the player in front of a choice where they can do good things or bad things, they will do bad things, go dark side – because people think it’s cool to be naughty, they won’t be caught,”

“In a game where it’s more authentic, when you have a gun in your hand and a child in front of you what would happen? Well the player would probably shoot that child.”

Als leitende Kraft eines kommenden AAA-Games sollte man doch eine etwas reflektiertere Meinung haben, als pauschalisierende Aussagen, die nur Öl ins Feuer des ewigen Killerspieler Klischees gießen. Warum bieten viele Spiele dann überhaupt die Möglichkeit der Entscheidung, wenn alle Gamer am liebsten zu digitalen Kindermördern werden würden?

Wie verhaltet ihr euch in Videospielen?
Gewissenhafter Gutmensch oder eiskalter Killer?

5 Gedanken zu “Immer der Gute – Ethik & Moral in Videospielen

  1. Pingback: ZwOlights der Woche – KW35 » Fundstücke » Zockwork Orange

  2. Da bin ich von ZwO hierher gestolpert und muss mit erschrecken dieses Zitat lesen. Der gute Herr knallt also gerne digital Kinder ab, das lässt tief blicken. Ich bin auch der Gutmensch in Rollenspielen, es macht irgendwie mehr spaß, es wird auch storylastiger bilde ich mir ein, wenn man mit den leuten redet anstatt sie zu erschießen…wenn man aber nur immer den gleichen shooter veröffentlicht scheint man wohl ziemlich abzustumpfen.

  3. Sehe ich genauso. In Rollenspielen verbaut man sich teilweise ja wirklich wichtige, spannende Quests. Im Flughafenlevel von Modern Warfare 2 habe auch keinen Zivilisten getötet. Bei Battlefield 3 würde ich es nicht anders machen.

  4. Ich bin da ganz bei dir und spiele eigentlich fast ausschließlich einen “guten” Charakter. Wenn ich das mache, heißt es auch für mich, dass die Immersion in Spielen funktioniert, da ich anfange mich mit dem Hauptcharakter zu identifizieren und Entscheidungen wie im echten Leben zu treffen. Zwischenmenschliche, aber auch allgemeine Moralentscheidungen lassen mich einfach nicht kalt, solange diese halbwegs realistisch inszeniert wurden.

    Interessant finde ich auch die Tatsache, dass ich selbst bei einem zweiten Durchgang Probleme habe mich für einen bösen Weg zu entscheiden, obwohl ich mir diesen bewusst vornehme. Irgendwas in mir triggert dann automatisch eine “gute” Vorgehensweise und ich ende dann in einem ähnlichen Durchgang.

  5. Ich hatte mir letztens vorgenommen bei Alpha Protocol mal den lässigen Agenten mit den platten Sprüchen zu spielen. Nachdem die ersten beiden Charaktere im Spiel negativ auf mich reagiert haben und ich mir irgendwie blöd vorkam, habe ich angefangen so zu reagieren wie ich es tatsächlich tun würde. Ich habe das bestmögliche Ende des Spiels bekommen. Ich lobe Alpha Protocol ja sowieso an jeder Ecke, aber wer Spiele mit offenen Enden, vielen Entscheidungsmöglichkeiten und moralischen Dilemmas mag, der sollte es sich unbedingt anschauen.

    Ich habe im Artikel auch erwähnt, dass ich mir die dunkle Seite für den zweiten Durchgang aufhebe. Das tue ich zwar, nur gehe ich diesen zweiten Durchgang höchst selten an. Gerade bei Rollenspielen schaffe ich zeitlich nicht mehr als einen Durchgang. Außerdem bin ich meistens zufrieden mit dem was ich getan habe. Ich glaube auch, dass ich auf lange Sicht wohl ebenfalls in mein altes Muster verfallen würde wie du, Freddi.

    Freut mich jedenfalls zu lesen, dass gleich die ersten beiden Kommentare die These von Bach widerlegen und ich nicht alleine bin mit meiner Spielweise.

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