Alpha Protocol

Alpha Protocol

Michael Thorton ist Agent von Alpha Protocol, ein Geheimdienst der nirgends offiziell Erwähnung findet und dessen Existenz im Falle einer fehlschlagenen Mission von der Regierung abgestritten wird. Nach einem terroristischen Anschlag auf ein Passagierflugzeug wird er nach Saudi-Arabien geschickt, um den potentiellen Täter zu fassen. Doch plötzlich gerät Thorton selbst ins Fadenkreuz.

Das Gameplay von Alpha Protocol ist eine Mischung aus 3rd Person Shooter und RPG, ähnlich Mass Effect. Auch die typische Cover-Shooter Steuerung dürfte den meisten Spielern bekannt vorkommen. Leider ist sie hier leicht hakelig realisiert worden und das Aiming ist etwas schwammig und ungenau. Auch technisch hat das Game nicht viel zu bieten. Grafik und Animation sind eher unteres Mittelmaß, Gegner-KI ist praktisch nicht vorhanden.
Diese Kritikpunkte werden besonders in der Anfangsmission zum Ärgernis. Dank der RPG Elemente sind Treffsicherheit bei Schusswechseln, sowie Möglichkeiten für subtilere Schleicheinlagen praktisch nicht gegeben. Ohne aufgelevelte Skills bleiben einem solch anspruchsvolle Taktiken wie „Run & Gun“ oder „Spray & Pray“. In Verbindung mit der ansprochenen, nicht ganz optimalen Steuerung wird der Spieler hier auf eine harte Geduldsprobe gestellt.

Ist diese allerdings überwunden spielt Alpha Protocol endlich seine Stärken aus. Der Spieler kann sich für eine vordefinierte Charakterklasse entscheiden oder seine 3 Hauptskills (die über das Normalmaß hinaus gelevelt werden können) selber auswählen. An dieser Stelle sei gesagt, dass besonders „Stealth“ und „Pistols“ zwei empfehlenswerte Fähigkeiten sind. Mit ersterem könnt ihr euch im Verlauf des Spiels manuell unsichtbar machen und ihr werdet automatisch unsichtbar, bevor euch ein Gegner erspäht. Die Pistole besitzt als einzige Waffe den Chain Shot, eine Fähigkeit ähnlichem dem Mark & Execute aus Splinter Cell Conviction. Per Tastendruck verlangsamt ihr die Zeit bis fast zum Stillstand und markiert die Gegner. Nach Ablauf eines Zeitfensters suchen sich die Geschosse alleine ihr Ziel. Auch die Genauigkeit der gewählten Hauptwaffe sollte so schnell wie möglich aufgelevelt werden. So lassen sich die Unzulänglichkeiten der Steuerung überraschend gut ausgleichen und Frust vermeiden.

Per Jet geht es nun nach Moskau, Rom und Taipeh. Diese drei Städte bestimmen den Hauptteil des Spiels und nicht nur diese, sondern auch die einzelnen Missionen können in beliebiger Reihenfolge angegangen werden. In jeder Stadt findet man Unterschlupf in einem luxuriösen Safe House, das man meist gar nicht mehr verlassen möchte. Hier könnt ihr Mails checken, auf dem Schwarzmarkt einkaufen, die Ausrüstung auswählen, Dossiers lesen und die einzelnen Missionen auswählen.
Diese gestalten sich überraschend abwechslungsreich. Mal infiltriert man möglichst unauffällig eine Villa, dann gibt es heftige Feuergefechte auf einem Bahnhofsgelände und anschließend steht ein Treffen mit einen Informanten in einer Bar auf dem Programm, dem hilfreiche Infos entlockt werden können.

Damit wären wir auch bei einem der größten Pluspunkte von Alpha Protocol: dem Dialog-System. Dieses lässt sich im Ansatz mit Mass Effect vergleichen, nur sieht man nicht die möglichen Antworten, sondern bestimmt eher das Gemüt von Thorton und seinen Tonfall. Während der Gesprächspartner noch redet bekommt ihr eine Anzeige eingeblendet. Ihr habt nur wenige Sekunden Zeit eure Haltung auszuwählen. So wird ein realistischer Gesprächsfluss sichergestellt und der Spieler muss genauso aus dem Bauch heraus oder aus seiner Überzeugung reagieren, wie er es in Wirklichkeit tun würde. Eure Gesprächspartner reagieren sehr unterschiedlich auf die Art der Antwort. Manche schätzen Professionalität, andere eine lockere Haltung. Manchmal sind auch Bluffs möglich oder spezielle Antworten werden durch zuvor gesammelte Informationen freigeschaltet.

Langsam eröffnet sich euch so eine verstrickte Welt aus Geheimdiensten und Organisationen und ihr spinnt euch euer eigenes Netz aus Kontakten und Informanten. Ihr findet Freunde, aber genauso macht ihr euch eventuell Feinde. Jedes Gespräch und jede Handlung in Alpha Protocol kann sich auf den Ausgang der Geschichte auswirken. Ihr müsst entscheiden, ob ihr Verbrecher exekutiert oder Allianzen eingeht, wen ihr rettet und wer zurückgelassen wird.
Trotz der wenig beeindruckenden Technik erzählt das Spiel somit eine unglaublich spannende Geschichte und baut eine fantastische, dichte Atmosphäre auf, wie man sie sich von einem Agentenspiel wünscht und bislang noch nicht gesehen hat.

Alpha Protocol ist ein ungeschliffener Diamant, ein potentieller Top-Titel. Mit der Engine und dem Budget eines Mass Effect 2, sowie dem richtigen Publisher im Rücken, hätte Obsidian hier sehr viel erreichen können. Eigentlich müsste für die Technik noch ein weiterer Punkt abgezogen werden, aber nach dem holprigen Einstieg hielt sich der Frust in Grenzen, die Spielmechaniken funktionierten größtenteils sehr gut, machten sogar richtig Spaß und bis zum Abspann konnte das Spiel ungemein fesseln.

4/5

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