El Shaddai – Ascension of the Metatron

ElShaddai

Widersacher in japanischen Spielen bauen gerne Türme. Warum ist mir nicht klar. Vielleicht damit die Helden beim Erklimmen der Stufen ihrer asthmatisch bedingten Atemnot erliegen, weil sie lieber das 3 Meter lange Schwert auf den Rücken geschnallt haben, den Inhalator aber auf dem Nachtschränkchen haben liegen lassen. In El Shaddai, dem neusten Werk des Okami und Devil May Cry Character Designers Takeyasu Sawaki, schleppt Held Enoch kein Riesenschwert mit sich herum, aber einen Turm erklimmen muss er trotzdem. Glücklicherweise merkt man das der Spielwelt nicht an.

Den monströs großen Turm, der in seinen Stockwerken ganze Zivilisationen beheimatet, wurde übrigens von gefallenen Engeln gebastelt. Diese haben Gott den Rücken gekehrt und dort eine eigene Evolutionsgeschichte gebastelt. Oder so. Ich muss zugeben, dass ich der Story nicht immer so wirklich folgen konnte, aber dazu später mehr. Jedenfalls schlüpft ihr in die Rolle von Enoch. Wie zuvor erwähnt, ist dieser kein Freund großer Schwerter, trägt dafür aber gerne Blue Jeans unter seiner weißen Himmelsrüstung. Enoch wird von Gott losgeschickt die gefallenen Engel zur Strecke zu bringen. Begleitet wird er von Lucifel, dem Teufel, wenn ich mich nicht irre. Offenbar sind der Teufel und Gott nun ganz gute Buddies, denn Lucifel taucht ständig mit Handy am Ohr in der Gegend auf und erzählt Gott, wie weit ihr auf eurer Mission seid. Im Verlauf trefft ihr auf knuffige, wabbelige Wesen, die glücklich aussehen, aber innerlich größte Qualen erleiden und stumme Engel, die auf Dance Musik steil gehen. Japan, ey.

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Wie gesagt, hunderprozentig habe ich die Story und ihr Ende nicht verstanden und El Shaddai legt nicht gerade eine Meisterleistung hin, in der Art und Weise wie es diese erzählt. Die verständlichsten Infos erhaltet ihr in Form von Collectables und Loading Screens. Wirklich einsaugen, konnte mich die Geschichte daher nicht. Das liegt nicht nur an der unvorteilhaften Erzählweise, sondern auch an dem öden Protagonisten. Da wird versucht eine epische Story aufzubauen, um Leben und Tod, Himmel und Hölle, Dunkelheit, gefallen Engel und eine jahrtausende lange Reise diese zur Strecke zu bringen und im Mittelpunkt steht Enoch. Eine scheinbar emotionslose Puppe Gottes, redet kein Wort und hat genau einen Gesichtsausdruck. Keine Spur von Charakter oder Identifikationsmöglichkeit. Verschenktes Potential an jeder Ecke.

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Für die Story hat sich El Shaddai für mich also schon einmal nicht gelohnt, abgesehen von den diversen Lachern wegen japanischer Weirdness natürlich. Das Gameplay war leider auch kein besonders fesselndes Element. Was ich wirklich lobenswert finde, ist der Wechsel zwischen 2D und 3D Ansicht. Leider gibt es aber nicht wirklich viel zu tun. Platforming wechselt sich mit Klopperei ab. Das Rumgehüpfe wird schnell langweilig und später nervig, wenn Plattformen immer kleiner werden, die Kamera ungünstig positioniert ist und die überbordenden Effekte die Sinne vernebeln. Die hakelige Steuerung macht diese Abschnitte auch nicht gerade besser. Die Kämpfe bleiben ebenfalls nicht lange interessant. Ein Angriffsbutton, einer für Special Attacks und einer zum Blocken. Combos und Konter werden durch Timing bestimmt. Insgesamt gibt es drei Waffen im Spiel, die ihr euren Gegnern klauen könnt.

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Kommen wir zur Präsentation. El Shaddai hat ein einzigartiges Design und überrascht euch in jedem Chapter mit einem völlig neuen Look. Das ist oftmals wunderschön, stellenweise sehr anstrengend für die Augen, aber gelegentlich auch einfach nur blass und karg. Überhaupt nutzt El Shaddai die völlig unterschiedlichen Welten nur selten, um spielerisch etwas neues zu bieten. Ein Motorradlevel ist da schon das höchste der Gefühle. Ansonsten bleiben Platforming und Kämpfe immer gleich und nur selten werden andere Interaktionsmöglichkeiten mit der Umgebung geboten.

Für den ungewöhnlichen Artstyle lohnt sich El Shaddai sicherlich, aber man sollte diese Inspiration und Innovation nicht vom Gameplay erwarten. Stellt euch vor, ihr wärt im Museum und seht ein wunderschönes Gemälde. Ihr bleibt einige Minuten stehen oder setzt euch davor und bestaunt es. Wenn ihr euch satt gesehen habt und zum nächsten Bild gehen wollt, hält euch jemand fest und sagt ihr müsst noch eine halbe Stunde sitzen bleiben. Das macht El Shaddai in jedem Chapter.

2 Gedanken zu “El Shaddai – Ascension of the Metatron

  1. Ja, komische Sache dieses El Shaddai. Einerseits liebe ich es für seinen Artstyle, andererseits ödet mich der Aufbau der Level an: Bis zu einer großen Plattform hüpfen, dort kämpfen, repeat.

    Tatsächlich habe ich es irgendwann nur noch weitergespielt, um zu sehen, wie die nächste Welt gestaltet ist. Das gleiche Problem hatte ich auch bei Alice: Madness Returns. Die beiden Spiele müssen wohl Geschwister sein!

    • Jep, ging mir genauso. Das mit Alice wollte ich eigentlich auch erwähnt haben. Bei dem war es wegen seiner Länge allerdings noch schlimmer. Schade, denn vom Artstyle fand auch ich beide Titel klasse.

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