[52 Games] Thema 09: Klang

52 Games

Im Jahr 2002 schaute ich den Rockpalast im WDR. Zum ersten Mal sah ich The Mars Volta, eine der Nachfolgerbands der legendären At The Drive-In, live auf der Bühne. Ich wurde Zeuge wie Omar Rodriguez ekstatisch und leidenschaftlich die abgefahrensten Riffs und Licks aus den Saiten zauberte und in dem Moment war es um mich geschehen. Am nächsten Tag holte ich die Fender Stratocaster meines Vaters aus dem Keller und begann Akkorde zu lernen und Songs der Ramones und White Stripes nachzuspielen. Stundenlang saß ich täglich mit der Gitarre auf dem Bett und übte. Irgendwann begann auch das Schlagzeug eine Gewisse Anziehungskraft zu versprühen. Während Proben mit meinen Bands setzte ich mich ab und an auch mal an die Drums und hatte riesigen Spaß martialisch auf die Felle und Becken einzuprügeln. Wirklich lernen konnte ich so natürlich nichts. Die Bands lösten sich auf und so blieb immer nur der Traum nach einem Schlagzeug.

Jahre später begann der Siegeszug der Musikspiele. Ich lieh mir Guitar Hero 2 aus der Videothek aus, um den Hype nachvollziehen zu können. Da ich Gitarre spielen konnte machte mir das Spiel aber nicht wirklich Spaß und machte für mich persönlich dann auch keinen Sinn. Es folgte Rock Band und mit seinem kleinen Plastik-Drumset übte es einen gewissen Reiz aus. Der Preis war mir allerdings noch viel zu hoch. 2009 begann dann langsam der Preisverfall der ersten Plastikinstrumente und ein Rock Band Paket bestehend aus Mikrofon, Gitarre und Drums rückte in günstige Preisregionen. Ich konnte nicht widerstehen und schlug zu.

Klang1

Nachdem der ganze Plastikkram aufgebaut war, ging es los. Meine Freundin schnallte sich die Gitarre um und ich nahm hinter den Drums platz. Wir hatten monatelang Spaß und spielten besonders in den ersten Monaten exzessiv Rock Band 1 und 2. Bei mir wurde es allerdings richtig heftig. Ich wurde besser und besser, kletterte die Schwierigkeitsgrade hinauf und spielte irgendwann ausschließlich auf Hard und Expert. Dank Modding-Anleitungen im Netz, hatte ich mir schon früh eine echte Fußmaschine so umgebaut, dass ich sie zum Spielen benutzen konnte. Aber ich wollte mehr. Rock Band 3 lockte mit einem Pro-Mode, der es erlaubte E-Drums zum Spielen zu verwenden und in den Charts der Songs Trommeln und Becken getrennt anzeigte. Wochenlang durchforstete ich Online Shops und Kleinanzeigen auf der Suche nach einem E-Drumset, aber sie waren mir alle zu teuer. Irgendwann stieß ich in den eBay Kleinanzeigen auf ein Angebot für den ION Drum Rocker, im Prinzip ein günstiges E-Drumset, das auf Rock Band zugeschnitten war und direkt an die Xbox angeschlossen werden konnte. Ich handelte einen Preis von extrem günstigen 100,- € aus und wartete sehnsüchtig auf den Erhalt des Monsters.

Klang2

Als es dann eintraf und fertig aufgebaut in meinem Wohnzimmer stand, brachen endgültig alle Dämme. Ich wurde regelrecht süchtig nach meinem Schlagzeug. Täglich besuchte ich das Rockband-Forum und Plastik Rock, kaufte mir Becken von Roland, moddete meine Snare Drum mit einem Mesh Head für authentischeres Spielgefühl, lötete, verkabelte und bastelte. Auch im Pro-Mode erklomm ich die Schwierigkeitsgrade, bis ich vieles auf Hard und Expert spielen konnte und sammelte bislang 126 Goldsterne. Schlagzeug spielen wurde zu einer neuen Leidenschaft und das ist es immer noch. Bedingt durch meinen Wechsel vom Berufsleben an die Uni und eine Übergangswohnung, die zum Krach machen wenig geeignet ist, kann ich leider momentan nicht drummen und ich vermisse es wirklich schmerzlich. Deshalb kann ich leider auch kein Bild des letzten Setups meiner Drums machen.

In den Untiefen meiner externen Festplatte fand ich aber ein Video, das ich schätzungsweise im Sommer letzten Jahres aufgenommen habe. Dazu muss ich allerdings noch ein paar Worte verlieren. Ich habe es damals nur mal just for fun mit der Handykamera gefilmt. Den qualitiv miesen Ton mit dem Geklapper des Drumsets habe ich jetzt ausgestellt und stattdessen den Originalsong darüber gelegt. Dadurch wirkt es stellenweise etwas merkwürdig, da improvisierte Stellen natürlich nicht zum Ausdruck kommen. Abgesehen davon spiele ich den Song auch nur auf Hard, statt auf Expert und einige Stellen sind falsch gechartet, was ebenfalls erklärt warum ich ab und zu beispielsweise auf Becken schlage, während im Original Snare oder Toms gespielt werden. Verspieler gibt es natürlich auch. Aber genug der Ausflüchte und Ausreden, jetzt könnt ihr euch mal ein etwas anderes Beispiel dafür ansehen, was ein Videospiel mit einem anstellen kann. Viel Spaß beim Anschauen.

Vorherige Themen und Artikel:
Thema 01: Neubeginn, Thema 02: Kälte, Thema 03: Natur, Thema 04: Minimalismus, Thema 05: Prüfung, Thema 06: Geschwindigkeit, Thema 07: Sex, Thema 08: Stadt


Was ist „52 Games“?
Ein Projekt der Devotchkas und Malchicks von Zockwork Orange. Jede Woche zaubert Kristin ein zufällig gezogenes Thema aus ihrer Melone und ihre Droogs haben eine Woche Zeit sich die Finger wund zu schreiben. Horrorshow!


8 Gedanken zu “[52 Games] Thema 09: Klang

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  2. Ja, die ersten Wochen Rockband (2) machten auch meine Freundin und mich süchtig. Kurz nach dem Kauf von Rockband verabschiedete sich meine 360 mit ihrem zweiten RROD und da wir nicht so lange auf die Reparatur warten wollten, hab ich gleich ne neue Arcade im Blödmarkt gekauft. Jetzt hab ich zwar die 360 doppelt, aber das war es wert und mein Bruder hat auch noch was davon😀

    • So eine Ersatz-Xbox kann durchaus praktisch sein. Mussten wir vor kurzem auch wieder feststellen. Außerdem ganz praktische für Co-Op Games ohne Splitscreen.

    • Schon geaddet. Hab die Tage mal wieder die Mikros ausgepackt, da scheinst du ja ebenfalls sehr versiert zu sein. Wollte schon seit Tagen deinen Artikel kommentieren (Tab ist immer noch offen). Das werde ich jetzt direkt mal erledigen.

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