Sleeping Dogs

Bis vor wenigen Wochen war ich der Ansicht, dass es auch diesen Sommer wieder ein nettes Sommerloch gibt, das den Pile of Shame schlanker werden lässt. Dann hörte ich vom August Release von Darksiders 2, dessen Vorgänger ich durchaus schätze und von einem gewissen Sleeping Dogs. Irgendwas mit früherem True Crime Sequel in Hong Kong, jetzt unter neuem Namen. True Crime, huh? Das Spiel, welches Open World ad absurdum führte, indem die Spielwelt möglichst in Originalgröße an ihr Vorbild angelegt wurde. Super Idee, um es auf die Rückseite der Verpackung zu schreiben, spielerisch dann eher suboptimal, wenn man kilometerweit und minutenlang an den immer gleichen Texturen vorbeifährt. So beschäftigte ich mich mit Sleeping Dogs erst einmal nicht weiter, bis die ersten Reviews und Lobeshymnen auf Twitter auftauchten. Mein Interesse stieg von 0 auf 100 und zack, gekauft. Erfreulicherweise ist es wirklich gut geworden.

Über die Story brauche ich eigentlich genauso wenig Worte zu verlieren, wie die Entwickler Gedanken beim Schreiben eben dieser. Wei Shen ist ein Cop aus Hong Kong, der längere Zeit in den USA gelebt hat. Zurück in seiner Heimat wird er in die dortige Gang-Szene eingeschleußt, um diese von innen trocken zu legen. Klingt klischeehaft und extrem vorhersehbar? Ist es auch. Aber das ist relativ egal, denn die Stärken von Sleeping Dogs liegen woanders und lassen diese Schwäche schnell verblassen.

Mal ehrlich, Open-World-Games sind in der Wahl ihrer Locations nur noch selten innovativ. Wie oft seid ihr schon durch New York oder dessen Konterfeits gelaufen und gefahren? Sehr oft, richtig. Es ist immer wieder erfrischend, wenn dieses Genre einem etwas anderes serviert. Just Cause (2) ist dafür ein schönes Beispiel und nun eben auch Sleeping Dogs. Hong Kong ist nicht nur eine willkommene Abwechslung, sondern auch noch sehr gelungen. Die Spielwelt ist bunt, grell, abwechslungsreich, laut, lebendig und viel kleiner als das damalige True Crime. Das schafft eine Atmosphäre, die mich schon während der ersten Verfolgungsjagd durch Gassen und Restaurants, sowie bei einem Spaziergangs durch einen nächtlichen Markt, in ihren Bann zog.

Erfreulich ist dabei auch, dass sich Sleeping Dogs vorzüglich spielt. Natürlich kopiert es in erster Linie seine Vorbilder, das aber sehr gut. Überraschend ist dabei, dass der Fokus des Spiels im Nahkampf liegt. Ein ungewöhnlicher Ansatz, der aber hervorragend umgesetzt wurde. Während man in anderen Open-World-Games meist auf Waffengewalt setzt, besitzt Sleeping Dogs ein Melee-Kampsystem, das sehr stark an die letzten beiden Batman Games erinnert. Besonders fies: diverse Möglichkeiten die Umgebung mit in den Kampf einzubeziehen. Die erste Pistole hielt ich erst nach ungefähr 4 Stunden Spielzeit in der Hand und bis dahin vermisste ich sie auch nicht.

Das Schießen ist dann auch nicht ganz so gut geraten, wie der Kampf. Das etwas ungenaue, hakelige Aiming kann durchaus Probleme bereiten. Trotzdem machen aber auch die Schießereien Spaß, was den Locations, zerstörbaren Objekten und kleinen Zeitlupen-Moves geschuldet ist. Insgesamt muss man Sleeping Dogs somit auch für sein Pacing loben. Über viele Stunden werden neue Moves und Gameplay-Elemente eingeführt, die das Spiel interessant halten. Abgesehen davon, gibt es natürlich jede Menge Zeug zu erledigen: Mini-Games, Sidemissions, Sammelkram und ähnliches.

Ein paar kleine Kritikpunkte muss sich Sleeping Dogs allerdings auch gefallen lassen. Die Story ist, wie anfangs schon erwähnt, sehr klischeehaft und extrem vorhersehbar. Glücklicherweise machen die Missionen aber Spaß und die Charaktere sind interessant genug, um davon abzulenken. Da man einen Undercover Cop spielt, kommen natürlich auch einige, lustige Logiklöcher zustande. Wei will zunächst keine Schusswaffen benutzen, weil er dann Leute erschießen müsste. Er hat aber kein Problem damit die Köpfe seiner Gegner im nächsten Heizofen in Brand zu stecken. Wie viele Gangster ich bereits tatsächlich umgelegt hatte wurde mir bewusst, als ich eine Sidemission vergeigte, da ich einen Betrunkenen in die nächste Telefonzelle trat und dieser dadurch offenbar um kam. Außerdem hätte es mich sehr gefreut, wenn man noch mehr Kantonesisch im Spiel zu hören bekommen hätte. Besonders außerhalb von Missionen wäre es noch ein Plus für die geniale Atmosphäre gewesen, wenn dort keine englischen Sätze gefallen wären.

Insgesamt bin ich auf eine gute Spielzeit von 14 1/2 Stunden gekommen. Der Großteil davon dürfte Story gewesen sein und ein bisschen Sammelei und Upgrades suchen waren auch dabei. Langeweile kam nie auf und ich wurde sehr gut unterhalten. Sleeping Dogs ist ein echter Überraschungshit, den ich nicht auf dem Schirm hatte, aber uneingeschränkt empfehlen kann.

3 Gedanken zu “Sleeping Dogs

  1. Den True Crime-Stempel bekam es nur von Activision aufgedrückt, die Entwickler hatten das Spiel aber nie als TrueCrime-Ableger konzipiert und mit dem Wechsel des Publishers sind sie dann auch den Stempel wieder losgeworden.

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