Gone Home: Vermutungen

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Nachdem ich im vorherigen Artikel sehr persönlich über Gone Home geschrieben habe, möchte ich nun einige Eindrücke zur eigentlichen Story mit euch teilen. Diesen Artikel solltet ihr nur lesen, wenn ihr Gone Home schon durchgespielt habt.

Besonders in der ersten Hälfte des Spiels hatte ich keine Ahnung was mich erwartet. Mehr als den Namen des Spiels kannte ich eigentlich nicht. Aus diesem Grund rätselte ich, wie wahrscheinlich die meisten, in welche Richtung sich das Spiel entwickelt und wie es ausgehen würde. Folgend findet ihr zwei mögliche Enden, die ich anfangs im Kopf hatte.

Theorie 1: Das Horrorspiel

Zu Anfang hatte ich das mulmige Gefühl ein Horrorspiel zu spielen. Es ist mitten in der Nacht und das große Haus versprüht eine unheimliche Atmosphäre. Es regnet und gewittert laut, der Boden knarzt, mir laufen Schauer über den Rücken. Kleine Details und Story assoziiere ich mit einer toten Familie, die ermordet im Keller oder auf dem Dachboden liegt. Werde ich irgendwann Leichen finden oder gar auf Geister oder einen Killer treffen? Vielleicht war alles nur der Tatsache geschuldet, dass ich kurz vor dem Start auf Steam las, dass es sich bei Gone Home um einen Amnesia-Mod handelt. Vorsichtshalber knippse ich jedenfalls überall die Lampen an, bis ich mich von dieser Theorie verabschiede.

Theorie 2: Der tötliche Unfall

Ich glaube nicht mehr daran, dass ich auf Leichen oder Monster treffen werde, aber dafür bin ich mir fast sicher, dass Katies Familie nicht mehr lebt. Meine Vermutung war, dass Katie gerade erfahren hat, dass ihre Familie kurz vor ihrer Ankunft bei einem Unfall gestorben ist. Nun versucht sie das verpasste Jahr für sich zu rekonstruieren. Ich sehe den Zeitungsartikel über den Unfall, der am Ende des Spiels eingeblendet wird, schon vor mir. An dieser Theorie halte ich relativ lange fest, bis der Fokus immer stärker auf Sam gelegt wird.

Das tatsächliche Ende

Die eigentliche Geschichte, ihr Ende und ihre Charaktere fand ich unglaublich gut. Eine weibliche Hauptfigur, feministische Riot Grrrl Punk Bands und eine ernste, tragische und wunderschöne Auseinandersetzung mit den Themen Liebe und Homosexualität. Wann macht ein Videospiel so etwas schon? Selten. Fast nie. Deshalb bin ich auch froh, dass sich keine meiner Theorien bestätigt hat. Letztlich war das bittersüße Ende von Gone Home genau richtig.

Falls ihr ähnliche Erlebnisse und Vermutungen beim Spielen von Gone Home hattet, würde ich mich freuen, wenn ihr mir diese in den Kommentaren hinterlasst.

4 Gedanken zu “Gone Home: Vermutungen

  1. „Story Exploration Game“ und das Team dahinter haben mich nie ein klassisches Horrorspiel mit übernatürlichen Elementen vermuten lassen. Ich war also ganz gut vorbereitet.

    Auf die Idee mit dem Autounfall bin ich nie gekommen, auch wenn ich zwischenzeitlich vermutet hatte, dass der Vater gewalttätig gegenüber Sam und/oder seiner Frau geworden ist. Grade zu Beginn (Arbeitszimmer des Vaters) wurden bei mir starke Assoziationen zu The Shining geweckt: Der Schriftsteller, der verzweifelt versucht, an seinen einstigen Erfolg anzuknüpfen. Dazu die Tochter, die begabter ist, als er selbst. Alkohol und ein altes Haus. So eine Art Psychodrama.
    Das änderte sich dann mit meiner Feststellung, dass das Haus offenbar durch Sam oder zumindest unter ihrer Beteiligung geplündert wurde (Wohnzimmer+Schlafzimmer). Meine Vermutung ging dann Richtung Drogen/Bikergang/Neonazis, bis Sams Notizen die Teenage-Lovestory andeuteten. (Das Queer-Dings war in meiner Wahrnehmung übrigens erstaunlich selbstverständlich, nicht als großer Plot-Twist, sondern als etwas, das recht früh angedeutet und recht schnell klar war. Total gut.)

    Vielleicht auch weil die Geschichte um Sam eine Spur zu deutlich daher kam, habe ich mich beim Spielen stärker auf die Nebenplots konzentriert, deren Aufschlüsselung dann interessanter und befriedigender war.

  2. Ich hab erst später erfahren, dass es die Minerva’s Den Leute sind. Jetzt bin ich ziemlich heiß auf den DLC.

    Stimmt, die Assoziation des verrückten Schriftstellers in Verbindung mit Shining hatte ich auch. Ganz vergessen. Dass die Unordnung von Sam kam wird mir auch erst gerade klar. Als ich in den Zimmern war dachte ich noch an Streit zwischen den Eltern bzw. dass die Mutter evtl. ausziehen wollte, weil die Ehe scheinbar nicht mehr die Beste ist.

    Bei Sams Homosexualität stimme ich dir zu. Das wurde in den Gesprächen über ihre Freundin recht schnell deutlich.

    Was die Nebenplots angeht, müsste ich auch noch mal ran. Gerade um das Horrorszenario zu schüren wurde ja viel Grusel aus dieser Oscar (?) Geschichte gezogen. Stichwort „Psycho House Girl“. Ich bin aber nicht so ganz mitgekommen was früher in dem Haus passiert ist. Hat Oscar seine Familie umgebracht? Frau und Kinder? Im Safe war u.a. eine Spritze. Außerdem hab ich die Geschichte der Mutter nicht ganz nachvollziehen können. Hatte sie eine Affäre oder stand kurz davor? So hörte es sich jedenfalls in den Briefen an ihre Brieffreundin an.

    Lustig ist auch, dass das Spiel quasi 1995 spielen muss, um funktionieren zu können. Vor Internet und Handys.

  3. Mutter:
    Die Affäre bahnte sich an, fand aber wohl hauptsächlich in der Vorstellungswelt von Mrs Greenbriar statt. Handfest wird das nie und bricht, wenn ich das richtig erinnere an dem Punkt ab, als sie realisiert, dass der Föster demnächst heiraten will. Es macht ihr aber klar, dass es ihr wichtig ist, um ihre eigene Ehe zu kämpfen, anstatt sich in Fantasie zu flüchten. Darum die Paar-Therapie.

    Oscar:
    Knackpunkt ist Thanksgiving 1963. Terry Greenbriar schreibt immer die gleichen Science-Fiction Geschichten über einen Zeitreisenden, der den Kennedy-Mord im Jahre 1963 verhindern möchte. Die gleiche Jahreszahl findet man nochmal im Keller(!), an einer Messlatte, an der die Höhe des 12-jährigen Terry markiert ist. Oscars Brief und die Zeitungsausschnitte dazu genommen deuten an, dass Oscar seinen Neffen an Thanksgiving 1963 missbraucht hat. Terry verarbeitet dieses Ereignis seither in seinen Büchern. Oscar selbst scheint hinterher über sich selbst erschrocken zu sein, verkauft seinen Laden und zieht sich komplett zurück, bittet in seinem Brief (den er nie abgeschickt hat) um Vergebung.

    Hier ist der definitive Text dazu:
    http://clockworkworlds.com/post/58411117679/the-transgression-you-can-do-better

    Das ganze Spiel verhandelt auf vielen Ebenen Tod/Vergangenheit/Erinnerung und deren Einfluss auf die Gegenwart. Der mexikanische Totenkopf gleich im Regal der Eingangshalle, das alte Haus, das für die Kinder zum Spielplatz, für den Vater zur Konfrontation wird. Die düsteren und ungewollten Erinnerungen sind im Keller weggesperrt, beeinflussen aber dennoch das Geschehen dadrüber, positiv wie negativ.

    • Genial, danke dir! Dann hab ich die Sachen jetzt auch endlich beisammen. Das von der Mutter hatte ich auch alles gelesen, aber jetzt kommt das alles vernünftig zusammen. Das mit dem Mißbrauch ist komplett an mir vorbeigegangen, glaube ich.

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