Ein Jahr mit der PlayStation Vita

vita

Vor ziemlich genau einem Jahr wanderte die mobile Mini-Playsi in meinen Besitz. Seit dem silbernen, klotzigen Ur-Nintendo DS der erste Handheld in meiner Sammlung. Warum? Erkläre ich euch.

Handheld? Wozu das denn?

Alles begann mit dem Vorwand lange Pendelei zur Uni erfordere eine mobile Spielekonsole, um die gemeinsame Zeit mit verschwitzten Mitmenschen in den überheizten Schienenfahrzeugen der deutschen Bahn angenehmer zu gestalten. Der Eskapismus mit abgedichteten Kopfhörern, Spotify Premium und Tunnelblick auf das Smartphone reichte nicht mehr aus. Wenn schon fast vier Stunden ÖPNV-Hölle für eine Hin- und Rückfahrt zur Bildungsstätte notwendig sind, dann kann doch derweil auch dem Hobby gefrönt werden.

Und warum die Vita?

Da kamen gleich mehrere gute Gründe zusammen. Ausschlaggebend war das sowieso vorhandene PS Plus Abo, welches bereits dafür sorgte immer mehr auf der PS3 zu spielen. Parallel sammelten sich so viele Vita-Titel an, dass die Konsole praktisch schon durch das gesparte Geld subventioniert war. Zumindest genügte das, um mich selbst davon zu überzeugen, mein weniger prall gefülltes Studentenkonto mit dem Kauf einer weiteren Konsole zu belasten. Dazu kam das neu entfachte Interesse am japanischen Rollenspiel. Nachdem Anfang 2013 gerade Ni No Kuni durchgezogen war, musste etwas neues her und die Lobeshymnen über Persona 4 Golden klangen nicht ab. Weiterhin bestand die Hoffnung, dass Sony die kleine Kiste auch im Indie-Bereich gut positioniert, was sich noch im gleichen Jahr auf der E3 als richtige Vermutung herausstellte. Schließlich lockten auch noch die Downloads unzähliger ungespielter PS1 und PSP Spiele. Das alles war genug Rechtfertigung gegenüber mir selbst. Her mit dem Teil.

Aber die Vita hat doch keine Spiele!

Den letzten Abschnitt nicht gelesen? Ich kann das „Argument“ nicht mehr hören. Nicht nur auf die Vita bezogen, sondern allgemein. Der WiiU wird es ständig vorgeworfen, bis es alle, inklusive der Publisher, glauben und einfach nichts mehr auf die Konsole bringen. Na, danke. Konsolen brauchen Zeit. Egal ob Vita, WiiU oder aktuell PS4 und XboxOne. Eine Handvoll Launchtitel und dann ist oft erst einmal Ruhe im Karton. Ein Jahr abwarten und langsam füllen sich die Regale und Festplatten. So sieht es momentan auch bei der Vita aus. Ich kann mich vor Spielen kaum retten. Tatsächlich ist die Vita im letzten Jahr zu meiner Hauptkonsole geworden, einfach weil sie so viel geboten hat. Ich habe haufenweise PS Plus Krempel abgefrühstückt, hervorragende Exclusives wie Persona 4 Golden und Tearaway gekauft, wurde in diversen Sales mit weiteren Spielen beworfen, zu denen ich noch nicht gekommen bin und nebenher habe ich besagte PS1 und PSP Spiele nachgeholt. Auf meiner Wunschliste tummeln sich kürzlich erschienene Spiele wie Danganronpa, Ys: Memories of Celceta und Final Fantasy X HD, gleichzeitig kommt immer mehr Indie-Kram.

Das Killer-Feature der Vita

Die Vita hat eine unscheinbare Funktion, die sie so verdammt attraktiv macht und wegen der ich vergleichsweise viel mit ihr spiele: Den Stand-By-Modus. Bei mir ist die Vita nie aus, sie schläft nur und ist immer bereit für ein paar Minuten Zerstreuung oder Zeitüberbrückung. Genau wie der kurze Blick aufs Smartphone, um Twitter und Konsorten zu checken, liegt die Vita auf dem Sofa. Mit einem Tastendruck bin ich sofort mitten im Spiel und genauso schnell schalte ich wieder in den Stand-By. Der Modus selbst zieht so wenig Saft, dass es überhaupt keinen Sinn macht die Kiste komplett auszuschalten. Dadurch lassen sich kleine Indie-Titel zwischendurch spielen und Rollenspiele mit 50 bis 100 Stunden Spielzeit gemütlich nebenbei durchziehen. Perfekt.

Offene Wünsche

Angesichts der momentan gut gefüllten Wunschliste und des immer noch vorhandenen Backlogs, bleibt von meiner Seite nicht viel Platz für Kritik. Mehr geht natürlich immer. Ständig stolpere ich über Spiele, bei denen ich enttäuscht bin, dass ich sie nicht auf der Vita spielen kann. Transistor, Trials Fusion, The Wolf Among Us, diverse Adventures und das gerade endlich für das iPad erschienene Hearthstone sind da nur ein paar prädestinierte Vita-Games. Indies spiele ich am liebsten auf der Vita. Mehr davon. Octodad und Jazzpunk hätte ich gerne auf Sonys Handheld gesehen. Über noch mehr JRPGs würde ich mich ebenfalls freuen. Vieles wird inzwischen lokalisiert, aber einiges schwappt nicht aus dem japanischen Markt nicht in unsere Gefilde. Auch von Sony darf gerne mehr Mut zu Exclusives gezeigt werden. Tearaway und das unglaublich unterschätzte Gravity Rush sind fantastische Spiele, Ableger von Killzone hingegen interessieren mich weniger. Dafür gibt es die großen Schwestern.

Die Speicherkarten

Die große Macke. Vermutlich eingeführt, um Gewinn an der Konsole zu machen, sind die Sony-eigenen Speicherkarten ein einziges Ärgernis. Wenig Platz und horrend überteuert, schrecken sie regelmäßig potenzielle Interessierte ab. Die neue Vita hat deshalb immerhin 1GB Speicherplatz an Bord. Für ein paar Save Games, Indies und Retro-Titel vielleicht genug, ein volles Vita-Spiel mit bis zu 4GB wird weiterhin keinen Platz finden.

Fazit

Ich bin mehr als zufrieden mit Sonys Handheld. Es gibt noch genug Luft nach oben, aber für eine mobile Konsole gibt es inzwischen genug Titel, um lange Zeit nicht auf dem Trockenen zu sitzen. Wenn ihr PS Plus Mitglied seid, Indie-Spiele mögt oder ein Faible für japanischen Kram habt, dann könnt ihr eigentlich nichts falsch machen. Die regelmäßig niedrigen Bundle-Preise um die 150 Euro sind für die gebotene Technik ein Schnäppchen.

5 Gedanken zu “Ein Jahr mit der PlayStation Vita

  1. Konsolen brauchen zwar wirklich Zeit, um sich zu entfalten, aber gerade die Launchtitel in den letzten Generationen, haben mich dazu gebracht auf Konsolen (zumindest im Releasejahr) zu verzichten. Call of Duty kann ich genau so gut auf dem PC spielen und vielen anderen Launchtiteln fehlt es irgendwie an Ideen.

    Da warte ich lieber ein paar Jährchen und habe dann eine riesen Auswahl an tollen Titeln.

    • Mir geht’s da genauso. Mal abwarten was dieses Jahr so bringt. Ich hab auf den alten Konsolen auch noch so viel nachzuholen, ich weiß eh nicht wo ich anfangen soll. Das neue Infamous würde mich reizen, weil ich die Vorgänger mag, aber momentan kommt so viel auch für die Last-Gen, da lohnt die Investition noch nicht. Wenn die PS4 ins Haus kommt, haben sich immerhin durch PS Plus schon einige Spiele angesammelt.

    • Nachdem sie auf der E3 und der Gamescom wieder einmal kaum Beachtung seitens Sony bekommen hat, bin ich inzwischen doch etwas enttäuscht. Als Konsole für Indie-Spiele und japanische Nischentitel schätze ich sie aber noch immer.

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