Child Of Light: Ein Hoffnungsschimmer

1090x1080_V7_thumb_133485Ein Traum in Aquarell. Jeder Screen ein kleines Kunstwerk, das ich mir ins Wohnzimmer hängen würde. Child Of Light ist kein perfektes, aber ein wunderschönes Spiel. Und es ist wichtig.

Viele Entwicklungen in der Spielebranche sorgen in den letzten Jahren für Unmut. Fragwürdiger F2P-Krempel, langweilige Sequels ohne Mut und frischen Wind und alle kopieren sich irgendwo auch noch gegenseitig. Spiel X verkauft sich gut? Pumpen wir mal lieber jährliche Sequels raus. Konkurrent Y hat eine erfolgreiche Spieleserie im Markt? Kopieren wir einfach und nennen es anders. Der nächste Call of Duty-Killer hier, das nächste Spiel mit irrsinnigem Budget da. Das große Geld lockt, die Entwicklungen sind kostspielig. Es folgt das große Scheitern an den eigenen, viel zu hohen Erwartungen und dem abgelieferten Mittelmaß. Umso größer ist da die Freude über jeden großen Publisher, der auch experimentellen Spielen eine Chance gibt. In diesem Falle Ubisoft mit Child Of Light, das auf der UbiArt Framework Engine läuft. Diese bescherte uns auch schon die letzten, fantastischen Rayman-Spiele.

Und was ist das wieder für ein Traum in Sachen Design. Wunderhübsch anzusehen und dazu in Reimen erzählt. Child Of Light ist ein spielgewordenes, düsteres Märchenbuch mit einer jungen Prinzessin namens Aurora in der Hauptrolle. Entgegen der vorherrschenden Tropes, wartet sie aber nicht auf ihre Rettung. Aurora nimmt Schwert und Schicksal selbst in die Hand. Was folgt ist eine Mischung aus Metroidvania-Ansätzen und japanischem Rollenspiel.

Während ihr anfangs noch zu Fuß unterwegs seid, dauert es nicht lange bis ihr lernt euch in die Lüfte zu schwingen. Von da an lässt sich die Spielwelt im Flug erkunden und mit stetig wachsendem Gefolge gilt es zahlreiche Monster zu bezwingen. Hier weckt Child Of Light Erinnerungen an japanische Rollenspielklassiker, insbesondere Grandia. Ihr kämpft mit zwei aktiven Charakteren, die sich jederzeit austauschen lassen. Den unteren Bildschirmrand schmückt eine Zeitleiste, die euch zeigt wann ihr und eure Widersache an der Reihe sind eine Aktion auszuwählen. Diese benötigt eine gewisse Vorbereitungszeit, in der Gegenangriffe zu einem Abbruch führen können. Parallel könnt ihr euren treuen Begleiter, das Glühwürmchen Igniculus nutzen, um die Angreifenden zu verlangsamen. Abgesehen davon arbeitet das Kampfsystem mit üblichen Elementen, wie beispielsweise Feuer und Wasser, die sich in Form von speziellen Edelsteine auf die Ausrüstung legen lassen. Obwohl das restliche Kampfsystem sehr gelungen ist und einem Grandia 2 Fan wie mir besonders viel Freude bereitet, wäre mir eine Option für spontane Elementwechsel im Kampf sehr recht gewesen. Abhilfe schafft hier eine unterschiedliche Ausrüstung und Spezialisierung der Charaktere mit Hilfe besagter Edelsteine.

Die naheliegende „Wo Licht ist, ist auch Schatten“-Analogie wollte ich mir eigentlich sparen, aber ganz frei von Makeln ist Ubisofts kleine Perle dann doch leider nicht. Artstyle, Kämpfe und auch die vornehmlich mit Klavier und Streichern ausgekleidete Musik wissen zu begeistern. Die eigentliche Spielmechanik außerhalb des Kampfes hätte aber abwechslungsreicher gestaltet werden können. Die Möglichkeit frei umherzuschweben sorgt für wenig Abwechslung und so tendierte ich dazu oftmals nur möglichst direkt von Punkt A nach B zu fliegen, um die Story schnellstmöglich weiterzuspielen. Neben ein paar Verstecken und gelegentlichen Schaltern oder verschiebbaren Kisten, bietet das Gameplay hier kaum interessante Ansätze. Neue Fähigkeiten, wie in Metroidvania-Games üblich, finden sich hier leider nicht. Ein Umstand, der das Spiel eintönig macht und bei mir bei der gefühlten Spielmitte zum Abbruch geführt hat. An dieser Stelle hatte ich das Gefühl alles gesehen zu haben. Obwohl ich gerne das Ende der Geschichte gesehen hätte, fehlte mir der Antrieb weiterzuspielen.

Trotzdem hinterlässt Child Of Light bei mir einen positiven Eindruck. Es ist ein mutiger, ungewöhnlicher Nischentitel und ein Spiel, an dem sich die anderen großen Publisher gerne ein Beispiel nehmen dürfen, wenn sie zukünftig an ihrer Budgetverteilung feilen. Hier zeigt sich wieder einmal, dass keine horrenden Summen nötig sind um ein einzigartiges Spiel mit einem grandiosen Look abseits möglichst fotorealsitischer Grafikorgien und Next-Gen-Porendarstellung zu erschaffen. Child Of Light ist auch so schon eines der schönsten Spiele des Jahres und bei einem Preis von lächerlichen 15 Euro absolut lohnenswert. Nischentitel abseits der AAA-Produktionen sollten einen festen Platz im Portfolio eines jeden Publishers bekommen. Mehr Spiele wie Child Of Light würden der Branche gut tun.

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